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Montag, 14. September 2009

Urlaub vorbei, alles beim Alten

Montagmorgen. Ich hatte Glück im Verkehr und war schon vor meinem eigentlichen Arbeitsbeginn im Büro. Pünktlich um Zehn Uhr betritt Marina, unsere Praktikantin, das Zimmer und beginnt nach kurzer Begrüßung mit ihrer Arbeit.

Im Gegensatz zum neuen Beitrag im Redaktions-Blog. Der sollte schon am Freitag online sein. Aber ich war in Urlaub. Im Urlaub bloggt man nicht. Ebenfalls zu spät kommen wird Christian. Eigentlich wie immer, was er allerdings bestreitet. Auch eine Form der Zuverlässigkeit.

Ich lese meine elektronische Post. Das Protokoll der letzten Redaktionssitzung ist auch dabei. Nur ohne Blattkritik. Wie auch, die sollte ja von mir kommen und ich war im Urlaub. Im Urlaub kritisiert man nicht. Vor vielen anderen Mails steht »SPAM!«. Der brauchbare Rest dreht sich um die Veröffentlichungen und Themen der letzten Woche und um das was noch kommen wird. Wieso sollte sich daran auch etwas ändern. Es ist wie es war.

Als ich mich an die verspätete Blattkritik setze, betritt Christian den Raum und beginnt nach kurzer Begrüßung mit seiner Arbeit. Smalltalk. Stille. Christian dreht seinen Monitor zu mir und fragt ob ich das doch sehr verworrene Bild darauf erkennen kann. »Klar, das ist doch aus der Ausstellung in der Tuchfabrik. 'Fading Icons Of The Swinging Sixties'. Dieses Beatles-Cover auf dem sie über den Zebrastreifen gehen.« Abbey Road. »Wieso erkennst du das?« Marina sieht es sich an und meint ebenfalls, dass es zu erkennen wäre. Jens, der gerade das Büro betritt, klinkt sich ein und schlägt sich auf die Seite der Mehrheit. Christian ist nett, aber mit der Kunst hat er es nicht so. Das wird sich wohl nie ändern.

Mittlerweile ist die Blattkritik fertig und verlässt mein Outlook in Richtung Redaktionsverteiler. Ein klingeln aus Richtung Jens signalisiert mir, dass sie auf seinem Smartphone angekommen ist. Alle Mails, die man Jens schickt, bekommt er auch aufs Telefon. Ich muss grinsen. Es ist schön, wieder zu Hause zu sein.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Wie viele sind hunderttausend.de?

Das liegt ja auf der Hand, dachte sich wohl der Schildermacher, der das Gebäude in der Trierer Bahnhofstraße 30-32 kürzlich mit seinem neuesten Werk schmückte:

Wie viele sind hunderttausend.de?

Aber keine Angst: Wir sind immer noch ein personell überschaubar ausgestattetes Unternehmen, das weiterhin unter der bekannten Adresse www.hunderttausend.de zu finden ist. Und im besagten Gebäude in der Bahnhofstraße.

Freitag, 26. Juni 2009

Lasterhaftes aus der dritten Etage

Angenommen, ein Leser käme auf die Idee, uns einmal bei der Arbeit zu besuchen (was selten genug vorkommt), so stünde er zunächst einmal vor dem Rätsel, das Teile der Redaktion schon seit Einzug in den Bürokomplex (Bahnhofstraße 30-32) bewegt:

Im rechten der zwei Aufzüge befindet sich – soweit ist das ja in Ordnung – ein Knopf für jede Etage. Dort finden sich Unmengen an kompetenten, gut besuchten Ärzten, ein schulpsychologisches Zentrum, eine dubiose Internetagentur mit dem avantgardistischen Namen "klick" und vieles mehr.

Erst weit, weit oben – in der dritten Etage – befindet sich das Green-IT-Unternehmen ICT und sein Geschwür, hunderttausend.de. Und hier beginnen die Unstimmigkeiten: Während alle Etagenknöpfe in jungfräuliche Chromtönen funkeln, findet sich neben unserem Namensschild nur noch die kraterhaften Überreste eines ausgeblichenen, zerbeulten Etagenknopfes, auf dem - schamhaft versteckt und kaum leserlich - die Hinterlassenschaft einer 3 prangt.

Wer zu Anfang aufgepasst hat, weiß jedoch, dass wir die Hallen der dritten Etage erst seit Januar dieses Jahres besetzen. Nun drängt sich also die Frage auf, welch stark frequentiertes Dienstleistungsunternehmen vor uns auf der Etage wütete und einen derartigen Verschleiß unseres Etagenknopfes verschuldet hat.

Eine Suchanfrage nach der Adresse führt zu folgendem Ergebnis: Ein mysteriöses Online-Angebot, dessen Namen kein Ohr je vernommen hat und an dieser Stelle auch nicht erscheinen soll. Unter der Rubrik Firmentätigkeit/Keywords findet sich unter anderem folgendes Schlagwort: "Parties Bahnhofstr. 30-32"

Aha.

Mit der unbehelligten Nutzung unserer Büroräume als Amüsiermeile einer bessergestellten Feierbagage wäre nicht nur der desolate Zustand unseres Aufzugs erklärt, sondern auch das zeitweise Auftreten leerer Litschi-Sektflaschen und falscher Feueralarm wegen Rauchens in den Büroräumen.

Aber ich habe einen konkreten Verdacht.

Neben den fleißigen, lebensverneinenden Arbeitstieren von hunderttausend.de gibt es nämlich auch noch andere Auffassungen von "Arbeit" in unserem Trakt. Manchmal hören wir sie, bei angelehnter Tür. Sie tragen Sonnenbrillen, hippe Klamotten und lehnen mit Dosenprosecco an ihren Bürotüren. Sie sind die neue Mitte, sie sind die digitale Bohème, sie haben unseren Aufzug auf dem Gewissen:

Die Agentur 3MB.

Manchmal lassen sie sich herab, zu uns hereinzusehen. Dann sagen sie Dinge wie: „Könntet ihr den Sonntagsbrunch auf der SkyLounge bitte noch in den GastroGuide eintragen?“. Damit wir keine Fragen stellen, werden wir mit Erdinger alkoholfrei ruhig gestellt.

"Parties in der Bahnhofstr. 30-32" – Das war nur ein Vorspiel. Sie haben die Bahnhofstraße abgegrast und sind weitergezogen. Mittlerweile hat Karstadt sie am Hals. Immer gewillt, die Nacht durchzutanzen, tragen sie ihre Sonnenbrillen auch nachts, denn ihre Devise lautet „Dress to Impress“. Sie sind die Menschen, die niemals müde sind. Über alldem wacht wie ein ewig junger Vater: Ihr Guru und Meister Andy B. Jones.

68 Stufen müssen seine Jünger nun erklimmen und warum man ihnen dort keinen Aufzug zur Verfügung gestellt hat, ist ja jetzt klar.